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Geschichtliche Informationen

 

Udenhains Entstehung geht zurück bis in die erste Besiedlungsperiode durch fränkische Siedler ungefähr von 500 bis 800 nach Christus. Bei der fränkischen Markeinteilung wurde an der Stelle von Siedlungen ein Königshof (curtis regis) angelegt, die später auch als "Herrnhof" bezeichnet wurden. Die Siedlungen bei dem Königshofe entwickelten sich zum Standort der "Gerichte" und ersten Kirchen. Der Name der Siedlung wurde nach altem fränkischem Brauch zumeist entsprechend dem Führer  benannt, der demnach vermutlich "Udo" hieß. So wurden dem historischen Ortslexikon zufolge folgende Namen erwähnt: Udenheim (1325), Udenhain (1331) Udinhen(1335), Odenhain (1529).  

Die Kirche von Udenhain, die sicherlich zunächst als Kapelle in Holzbauweise errichtet war,  wurde dem heiligen Martin geweiht, der als Volksheiliger der Franken bekannt ist.  
Die Martinskirche war Mutterkirche des Gerichtes Udenhain, in das im frühen Mittelalter alle Orte des späteren Gerichtes Spielberg eingepfarrt waren.

 

Im Jahr 1325 erfolgt erstmals die Erwähnung des Gerichts Udenhain in einer Urkunde. Die offizielle sichere Existenz des Gerichtes Udenhain ist aber schon mit dem Jahr 1291 beziffert, weil das Gericht Udenhain in Bezug auf die Regierungszeit von König Rudolf (1273 bis 1291) erfolgte. Dieses Gericht befand sich im pfandschaftlichen Besitz der  Grafen v. Weilnau. In einem Schreiben vom 17. April 1331 teilt "Kaiser Ludwig den Grafen Heinrich und Reinhard v. Weilnau mit, dass er dem Luther v. Isenburg geboten habe, das dem Reich zustehende, verpfändete Gericht Udenhain einzulösen, und gebietet ihnen, das Gericht dem Luther einzuräumen"(Hessisches Staatsarchiv Darmstadt Bestand X4 Nr. 412).

1333 brachte Konrad Herr von Trimberg es mit kaiserlicher Zustimmung in seinen Besitz und 1335 erwarb Luther von Isenburg wieder das Gericht Udenhain von ihm. In einer weiteren Urkunde verspricht Luther v. Isenburg: "den von Konrad v. Trimberg erkauften Anteil am Schloss Birstein und das Gericht Udenhain dem Grafen v. Weilnau wieder zur Lösung geben zu wollen" (Staatsarchiv Darmstadt Bestand X4 Nr. 439).  Nach dem erneuten Übergang in Isenburgischen Besitz taucht Udenhain nicht mehr als eigenes Gericht auf, sondern gehört von da an zum Gericht Spielberg.

1454 fand eine  Landscheidung zwischen dem Gericht Spielberg und dem Gericht Salmünster-Soden statt, um die Grenze des Hegebezirkes von Udenhain festzustellen. Daraus ist zu entnehmen, daß Udenhain zu jener Zeit bereits zum Gericht Spielberg gerechnet und von dort aus auch verwaltet wurde.

 

Die Martinskirche in Udenhain ist eine alte Wehrkirche, die mit einer dicken (Wehr)Mauer umgeben ist. Bereits 1375 wurde eine Kapelle in Udenhain erwähnt. Der Chor wurde im 15. Jhdt. erbaut und nach einem Dachstuhlbrand 1829 neu hergestellt. Baugeschichtlich ist zu vermuten, dass der Chor bereits 1446 als besondere Kapelle oder als Chor mit Maßwerkfenstern und Rippengewölbeeiner älteren romanischen Kirche bestand. Das Schiff wurde dann vermutlich 1469 angesetzt. 

 

Aus Urkunden des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt ist zu entnehmen, dass schon vor dem Jahre 1384 und bis nach 1402 ein Pfarrer namens Johann Sure in Udenhain amtierte. Er wird als Zeuge in zwei Urkunden genannt (HStAD Bestand X 4 Nr. 899 und 1090). Im Jahre 1461 war die Pfarrstelle Udenhain offensichtlich vakant, denn "Graf Diether v. Isenburg-Büdingen präsentiert dem Mariengredenstift zu Mainz den Johann Caldarificus von Darmstadt für die freiwerdende Stelle der Pfarre Udenhain" (HStAD Bestand X 4 Nr. 2398) und am 25. Februar 1461 wurde dieser zum Pfarrer zu Udenhain ernannt (HStAD Bestand X 4 Nr. 2402). Aber schon am 05. Oktober 1461 versprach Johann Schiebe in einer Urkunde (HStAD Bestand X 4 Nr. 2429)  dem Grafen Diether v. Isenburg-Büdingen, sein Amt als Pfarrer zu Udenhain  gut zu verwalten. Er hatte dieses Amt offensichtlich bis zum Jahr 1505 inne, denn am 02. Mai 1505 schlug Graf Ludwig v. Isenburg-Büdingen dem Stift St. Mariengreden zu Mainz einen Peter Neun für die Pfarrei Udenhain vor. (HStAD Bestand X 4 Nr. 4092). Da bisher keine weiteren Urkunden gefunden wurden, gehen wir davon aus, dass Peter Neun diese Stelle bis in die Anfänge der 40er Jahre des 16. Jhts. innehatte.  

Schon vor 1542 ist die Martinskirche evangelisch. Erster evangelischer Pfarrer in Udenhain war Pfarrer Johannes Wolfrich, der in dieser Zeit  bis zu seinem Tode am 29. November 1565 tätig war und in Udenhain evtl. unter der Martinskirche begraben wurde. In einem Schreiben aus dem Jahre 1542 an den Grafen Anton v. Isenburg (befindet sich in einer Schatzungsakte im Büdinger Schlossarchiv) ist Johannes Wolfrich der Aufforderung nachgekommen, seine finanziellen Verhältnisse anzugeben. Daraus lässt sich folgern, dass Johannes Wolfrich schon vor 1542 in Udenhain als Pfarrer tätig war. 

Dessen Nachfolger wurde sein eigener Schwiegersohn Heinrich Heilmann, der seit 1565 mehr als 3 Jahrzehnte die kirchlichen Geschicke in Udenhain lenkte. 

Erst Ende des 17 Jhts. (jedenfalls vor 1697) war dann Hartmann Wick bis zu seinem Tod im Jahre 1730 Pfarrer zu Udenhain.

Im Jahre 1923 entdeckte man unter den alten Dielen im Altarraum drei Grabsteinplatten (s. Unsere Projekte "Grabsteine").  Es waren dies der Grabstein von Pfarrer Johannes Wolfrich, der Grabstein von Pfarrer Hartmann Wick (geb. 1662  gest. 1730), und der Grabstein von 7 früh verstorbenen Kindern des Pfarrers Hartmann Wick. Diese Grabsteine wurden geborgen und fanden ihren neuen Platz an der südlichen Turmwand außerhalb der Kirche. Dort befinden sie sich heute noch und sind seit dieser Zeit der zerstörenden Witterung ausgesetzt. Sie müssen dringend vor dem Verfall bewahrt werden.

 

1546 wurde die Kirche ihrer Kleinodien, Kelche und anderen Dingen durch das Kriegsvolk des Kurfürsten und Landgrafs beraubt.

Nach dem 30jährigen Krieg (1618 - 1648) wuchs die Bevölkerung in Udenhain wohl langsam aber stetig so sehr, dass im Jahre 1706 eine 2. Empore benötigt wurde. Hierzu wurde ein separater Aufgang an der Südseite des Turmes eingebaut. Der damailge Türsturz weist zwei ineinander laufende Jahreszahlen auf: 1706 und 1892 (Die Jahreszahl 1706 erinnert an den Bau des Treppenaufgangs zur Empore, die Zahl 1892 wahrscheinlich an den Abriss derselben, da nun der Aufgang innerhalb der Kirche im linken hinteren Bereich möglich war). Im Zuge dieser Maßnahme verschwand wahrscheinlich auch das Doppelkreuzgewölbe des Kirchenschiffs und die rechteckigen Fenster wurden wegen der besseren Beleuchtung des Innenraums eingebaut.

Nach einem Dachstuhlbrand im Jahre 1829 wurde der Chor wieder neu hergestellt. 

Im 1. Weltkrieg wurden 2 Glocken und im 2. Weltkrieg 3 Glocken zur Waffenherstellung abgeholt und eingeschmolzen. Nur die Gotische Glocke verblieb in Udenhain. Aber am 12.09.1954 fand die Glockenweihe der 3 neuen Glocken der Martinskirche statt.

 

Da 1965 ein Ofenbrand im Kirchenschiff einen großen Schaden anrichtete, wurde die Martinskirche innen neu renoviert. Im Zuge dieser Renovierung entdeckte man unter dem alten Putz Gemäldeverzierungen am Tabernakel, der Piscina und dem Kreuzgewölbe im Chorraum. Diese wurden nicht wieder überstrichen und sind somit noch heute erhalten. 

 

Mitte der 80er Jahre des 20.Jhts. musste die Orgel renoviert werden. Sie wurde am 17.08.1986 wieder in Betrieb genommen.

 

In unmittelbarer Nähe des Eingangs befindet sich die unter Naturschutz stehende, etwa 500 Jahre Gerichtslinde. Diese wurde im Jahre 2002 von Unbekannten in dem Hohlraum innerhalb Stammes (Umfang ca. 10 m) in Brand gesteckt. Im Jahre 2010 musste sie um ca. 1/3 ihrer Höhe gekürzt werden, da sie zusammenbrechen drohte. Eine weitere Kürzung und Entlastung des Stammes fand 

 

 

 

Im Oktober 2004 wurde die Turmhaube wegen Einsturzgefahr abgebaut und im März 2005 erhielt der Turm wieder eine neue Haube. (http://www.buchonia.com/Orte/Brachttal/Udenhain/24-1_6_Martinskirche_in_Not.htm)

 

 

        Quellenverzeichnis:

  • Dr. Ludwig Bickell: "Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel Bd. 1" (1895)
  • Georg Landau: "Beschreibung des Gaues Wettereiba" (1855) (Seite 138)
  • Georg Landau: "Beschreibung des Kurfürstentums Hessen" (1842) (Seite 611 und 614)
  • Hessisches Staatsarchiv Darmstadt Bestand X4 Nr. 412, 439, 899, 1090, 2398, 2402, 4092
  • Jürgen Ackermann: Sammlung Geschichte Wächtersbach Nr. 141, 1994
  • www.buchonia.com
  • Sammlung zur Geschichte von Udenhain anlässlich des 700. Jahrestages von Udenhain

 

 

 

 

 

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